Wenn Hüften sich im Wasser wiegen

BZ-SERIE: Latino-Rhythmen im Gundelfinger Obermattenbad sorgen jede Woche für flotte Aqua-Zumba-Gymnastik.

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  2. Aqua-Zumba-Trainerin Elizabeth steht am Beckenrand und gibt die Übungen vor.  Foto: Detlef Bohe

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  4. Aqua-Zumba-Trainerin Elizabeth steht am Beckenrand und gibt die Übungen vor.  Foto: Detlef Bohe

Kirsch beginnt passend zum Rhythmus auf der Stelle zu gehen. Dabei bewegt sie die Hüfte und Arme sinnlich – so wie man es eben von einer Latina erwartet. Die Kursteilnehmer, durchgefroren dank nassem Novemberwetter und weit weg vom Strand am Pazifik und rassiger Latino-Mentalität, machen es ihr nach – versuchen es zumindest. Die Bewegungen sind noch unsicher. Doch Kirschs aufmunterndes Lachen fordert alle heraus. Das können sie doch auch so elegant wie der Profi. Sie treten auf der Stelle, klatschen im Rhythmus, bewegen die steifen Hüften, führen die Arme wellenartig um die Körper. Genauso wellenartig bewegt sich sogleich auch das Wasser um die Tänzer herum. Es platscht und klatscht.


Richtig gelesen: Der Kurs findet weder in einer Tanzschule noch in einem Fitnessstudio statt. Die Teilnehmer "tanzen" im Wasser. Genauer gesagt im Gundelfinger Obermattenbad. 45 Teilnehmer jeglichen Alters und jeglicher körperlichen Verfassung stehen hüft- bis schultertief im Wasser und versuchen sich in Aqua-Zumba, eine erweiterte Form von Zumba, das schon einige Zeit bekannt ist. Dabei wird Aerobic mit lateinamerikanischen Tanzschritten kombiniert. Passend dazu läuft die Musik vom Band. Das motiviert nicht nur, das erleichtert auch das Umsetzen fließender Bewegungsfolgen. Selbst die steifen badischen Haxen werden so ganz schnell geschmeidig. Kirsch steht am Beckenrand und gibt die Bewegungen vor. Die Fitnessübungen und Tanzschritte kommen wie eine Tanzchoreographie daher. Die Kursteilnehmer tun es ihr im Wasser gleich. Wenn auch nicht ganz so sportlich wie die Trainerin – kein Wunder, ist Kirsch doch Marathonläuferin und ausgebildete Tanzlehrerin und gibt Zumba- und Aqua-Zumba-Kurse.

Doch so sportlich müssen die Teilnehmer gar nicht sein. "Jeder kann Aqua-Zumba machen", erklärt die Trainerin, "besondere Menschen mit Arthrose, Übergewicht und Knochenproblemen können im Wasser viel einfacher gewisse Bewegungen machen und beanspruchen durch den Wasserwiderstand doch wichtige Körperpartien."

Im Hallenbad hilft das Wasser bei den Bewegungen. Ganz leicht kann jeder das Bein im 90-Grad-Winkel nach oben strecken, ganz entspannt Kniebeugen machen. Die Bauchmuskeln werden gefordert, doch man merkt es kaum. Mal unterstützend, mal bremsend wirkt das Wasser. Der Wasserwiderstand macht diese einfache Bewegung beschwerlich.

Doch das schallende Gelächter derer, die wieder eine Ladung Wasser von der Nachbarin ins Gesicht gespritzt bekommen, und das Mitsingen jener, die den Partykracher "Bomba" kennen und sich, wie der Text vorgibt, "sexy" nach oben und wieder nach unten bewegen, lenken davon ab, dass alle eigentlich Sport treiben. Und der soll doch eigentlich anstrengend, qualvoll und so gar nicht lustig sein. Kirsch schafft es, dass die Kursteilnehmer das total vergessen.

Sie kreisen die Hüften, schweben bei Sit-ups schwerelos im Wasser, singen, wenn auch textunsicher, bei den Partyhits mit und haben Spaß.

Als nach 45 Minuten alle aus dem Becken steigen, sind sie alles andere als schwerelos. Die Arme und Beine sind tonnenschwer und es wird klar: Diese lustige Tanzstunde war doch Sport. Sport, der ganz still und heimlich in Form einer Party daherkommt.

Info: Aqua-Zumba-Kurse finden mittwochs im Obermattenbad Gundelfingen um 19.30 und um 20.30 Uhr statt ohne Aufpreis an der Kasse.

Aerobic und tänzerische Elemente

Nonstop-Zumba-Party des Bahlinger Turnvereins war ein voller Erfolg / Rund 130 Bewegungswillige machten mit.

Groß war das Interesse bei der Nonstop Zumba Party des Turnvereins Bahlingen. Auf der Bühne gibt die Peruanerin Elizabeth Kirsch die Bewegungsübungen vor, allen anderen machen mit. Foto: Christiane Franz

 

BAHLINGEN. Schon von weitem begrüßten durch die geöffneten Fenster der Silberberghalle laute Latin-Rhythmen die Besucher der Nonstop-Zumba-Party des Turnvereins. Rund 130 Menschen von 12 Jahren bis ins Rentenalter bewegten sich nach Vorgabe des jeweiligen Trainers zu den mitreißenden Klängen der lateinamerikanischen Musik. Die schweißtreibende Begeisterung wirkte ansteckend.

Eine Kombination aus Aerobic und tänzerischen Elementen sei Zumba, erklärte Organisatorin Claudia Beck. Etwa vier bis fünf Minuten dauerte ein Titel, dann wechselte der Rhythmus. Der Spaß an der Bewegung stehe immer im Vordergrund, so Beck. Durch den Wechsel finde ein jeder das, was ihm am meisten liege.

Je nach Können sowie Ausdauer sprangen, hopsten und tanzten die Bewegungswilligen eine knappe Stunde lang. Dann gab es fünf Minuten Pause und einen Trainerwechsel. Im Foyer konnte man sich mit Obst und Fruchtsäften stärken. Dass Zumba den gewünschten Trainingseffekt bringt und für die Fettverbrennunggut ist, leuchtete schon beim Zuschauen ein. Deshalb, so hieß es, sei es vor allem bei Frauen beliebt. Sechs Männer waren unter den 130 Teilnehmern. Einer von ihnen war extra aus Aaburg in der Schweiz angereist. Er ist selbst Trainer und immer auf der Suche nach Anregungen. "Du machst das wirklich gut", sagte er zu Trainerin Claudia Walther.

 


Entstanden ist das in Mode gekommene Fitnessprogramm nach Angeben von Wikipedia durch einen Zufall: Der kolumbianische Fitnesstrainer Alberto Perez hatte die Musik für den Aerobic-Kurs vergessen und musste auf die von ihm im Auto gehörte Musik zurückgreifen, nämlich Salsa und Merengue. Es seien die abwechslungsreichen Rhythmen, die Zumba von Aerobic unterscheiden, erläuterte Claudia Walther. Sie leitet den wöchentlichen Zumba-Kurs des Turnvereins. Ihre Idee war es, eine Zumba-Nacht zu veranstalten und weitere Trainer einzuladen. Die Peruanerin Elizabeth Kirsch, der Kolumbianer Camilo Cruz sowie Claudia Walther heizten in fünf Einheiten den Anwesenden gehörig ein. Das Fitness-, Kraft- und Konditionstraining mit einem spannenden Finale verlangte von den Teilnehmern einiges ab. Vorsitzender Joachim Tegtmeier freute sich über die sehr gute Resonanz, die altersübergreifend war. Denn der Turnverein möchte besonders mehr Senioren animieren, etwas für ihre Gesundheit zu tun.

Zumba biete sich da an, weil es für alle Altersstufen geeignet sei, erklärte der Vorsitzende und ermunterte Interessierte: "Der Zumba-Kurs immer dienstags kann zum Reinschnuppern besucht werden, ohne dass eine Mitgliedschaft im Verein erforderlich ist."

 

 

Mo, 22. Juli 2013

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Christiane Franz